
FR26.11 Lourmarin
Nach dem ganzen Trubel rund um die Gypsie-Prozession in Saintes-Maries-de-la-Mer waren wir bereit für ein weiteres ruhiges und entspanntes Dorf. Außerdem wollten wir langsam in Richtung Aix-en-Provence weiterziehen.
Also nutzten wir unsere extrem ausgeklügelte und bislang äußerst erfolgreiche Methode zur Wahl des nächsten Reiseziels und stießen auf Lourmarin.
Und wieder einmal wurden wir nicht enttäuscht!
Einen geeigneten Platz für Wilma zu finden, erwies sich allerdings als etwas schwieriger. Also beschlossen wir, eine neue App namens “Campspace” auszuprobieren und buchten eine Nacht bei Virginie. Sie betreibt ein B&B mit Pool und bietet zwei Stellplätze für Zelte oder Campervans an.
Genau das, was wir brauchten.
Und einen Pool!
Da wir die App noch nicht kannten, sorgten wir mit unserer sehr frühen Ankunft allerdings für etwas Verwirrung. Uns war nicht bewusst gewesen, dass es bei Campspace feste Check-in-Zeiten gibt, obwohl wir unsere voraussichtliche Ankunftszeit vorher mitgeteilt hatten. Am Ende hat alles problemlos funktioniert, aber wir haben Virginie bei ihrer Mittagspause gestört, was uns ein wenig leid tat.
Der Stellplatz selbst war ziemlich schräg und selbst unsere Auffahrkeile haben es nicht geschafft, irgendetwas sinnvoll auszugleichen. Viel konnten wir dagegen nicht tun, also akzeptierten wir, dass die Nacht vermutlich ein ständiger Kampf gegen die Schwerkraft werden würde, und machten uns auf den Weg ins Dorf.
Lourmarin war voller Leben, aber nicht überlaufen und fühlte sich auch nicht von Touristen überrannt an. Genau die richtige Menge Leben für unseren Geschmack. Schnell fanden wir ein gut aussehendes Café und gönnten uns Eiskaffees.
Wie viele der Orte, die wir bisher besucht haben, liegt auch Lourmarin in einer hügeligen Landschaft und bietet wunderschöne Ausblicke auf die Umgebung.
Natürlich gibt es auch ein Château und eine schöne Altstadt zum Herumschlendern. Wir landeten in einem Geschäft für Panama-Hüte namens Trommelwirbel 🥁 … Panama!
Leider habe ich nicht den Kopf, der zu solchen Hüten passt, aber cool sind sie trotzdem. Wir kamen mit dem Besitzer ins Gespräch und sobald er bemerkte, dass wir Deutsche sind, verschwand er plötzlich.
Das ließ uns etwas verwirrt zurück und wir fragten uns kurz, ob wir vielleicht etwas Falsches gesagt hatten.
Ein paar Minuten später kam er mit einem Portemonnaie zurück.
Er erklärte, dass er beobachtet hatte, wie es einem Radfahrer aus der Gesäßtasche gefallen war. Leider hatte er es nicht geschafft, auf sich aufmerksam zu machen. Beim Blick in die Geldbörse hatte er festgestellt, dass der Besitzer Deutscher war und dort eine Visitenkarte mit Telefonnummer steckte. Sein Versuch die Nummer anzurufen blieb erfolgos – er vermutete, dass sein Mobilfunkanbieter internationale Anrufe blockierte bzw. sein Tarif das nicht zulässt.
Da er annahm, dass wir ebenfalls eine deutsche Nummer haben, fragte er, ob wir es versuchen könnten, damit er die Geldbörse zurückgeben kann.
Wie aufmerksam und nett von ihm!
Natürlich halfen wir gerne. Ich rief die Nummer an und der Besitzer ging sofort ans Telefon. Er hatte noch gar nicht bemerkt, dass das Portemonnaie fehlte und war unglaublich dankbar für die Ehrlichkeit des Ladenbesitzers.
Wir vereinbarten die Übergabe und später am Abend meldete sich der Portemonnaie-Besitzer noch einmal bei uns und bestätigte, dass alles geklappt hatte.
Es ist schön zu sehen, dass es immer noch unglaublich ehrliche Menschen gibt und dass manchmal ein einziger Anruf genügt, um zu helfen.
Nachdem das alles geklärt war, schlenderten wir weiter durch die Straßen und gönnten uns noch einen zweiten Stopp im Café Gaby.
Dieses Mal gab es ein kühles Bier und eine erfrischende Eau de Pompe 🍸🚰
Nach einer Weile waren wir beide der Meinung, für heute genug gesehen zu haben und dass der Pool nach uns rief.
Also ging es zurück zu Virginie und direkt ins Wasser. Eine mehr als willkommene Abkühlung!
Beim Abendessen schlossen wir dann noch eine neue Freundschaft.
Der Haushund kam vorbei und verlangte nach Aufmerksamkeit. Er brachte seinen Lieblingsball mit – oder zumindest das, was davon noch übrig war – und wurde für gute 45 Minuten nicht müde, den Ball immer wieder zu holen, egal wie weit wir ihn warfen.
Nachdem er seine Aufgabe als Ball-Rückholer erfolgreich erfüllt hatte, warf er sich auf den Rücken und verlangte Streicheleinheiten.
Wieder einmal ein fantastischer Tag in der Provence!
