
FR26.9 Pont du Gard
Eines Abends saßen wir bei einem wirklich leckeren lokalen Pale Ale und einer eau du pompe (ja, ich versuche tatsächlich Leitungswasser als etwas besonders Edles zu verkaufen 🍸🚰) und fragten die Kellnerin, was man in der Gegend auf keinen Fall verpassen sollte.
Begeistert begann sie ihre persönliche Liste herunterzurattern:
- Avignon (na klar!) – check ✅
- L’Isle-sur-la-Sorgue – check ✅
- Orange – check ✅
- Pont du Gard
Schnell fiel uns auf, dass Punkt Nummer vier ohnehin bereits auf unserer Liste stand. Wir hatten ihn nur bisher etwas ignoriert, weil er auf der Karte deutlich weiter entfernt aussah, als er tatsächlich ist.
In Wirklichkeit sind es nur etwa 30 Minuten Fahrzeit. Der Besuch des Aquädukts ist kostenlos und das Parken kostet gerade einmal 9 Euro für den ganzen Tag.
Außerdem erzählte sie uns, dass man dort hervorragend baden kann. Allerdings warnte sie: Bei 38°C und an einem Wochenende dürfte es ziemlich voll werden.
Am nächsten Tag machten wir uns also auf den Weg zum Pont du Gard, parkten Wilma und liefen in Richtung des berühmten Bauwerks.
Auf das, was uns erwartete, waren wir überhaupt nicht vorbereitet.
In einem Moment spaziert man noch durch einen hübschen kleinen Park und im nächsten steht man plötzlich vor diesem gigantischen Monument.
Es ist schwer in Worte zu fassen, wie es sich anfühlt, direkt neben einem Bauwerk zu stehen, das vor fast 2.000 Jahren errichtet wurde und trotzdem jünger aussieht als so manches Gebäude, das bei uns erst vor wenigen Jahrzehnten gebaut wurde.
Ein paar Fakten für alle, die sich dafür interessieren.
(Und ich hoffe wirklich, das seid ihr alle, sonst mache ich mir diese Arbeit hier umsonst 🤪)
- Ursprünglich ging man davon aus, dass das Bauwerk um 19 v. Chr. entstanden ist. Heute datieren Experten den Bau auf etwa 40 bis 60 n. Chr.
- Die Bauzeit betrug lediglich drei bis fünf Jahre. Das klingt vielleicht lang, aber man sollte bedenken, mit welchen Werkzeugen damals gearbeitet wurde.
- Schätzungsweise waren rund 1.000 Menschen am Bau beteiligt.
- Mit ungefähr 50 Metern Höhe über dem Fluss Gardon ist es das höchste noch erhaltene römische Aquädukt.
- Die heute erhaltene Länge beträgt rund 275 Meter, ursprünglich waren es etwa 360 Meter.
- Das Bauwerk besteht aus drei Ebenen und 52 Bögen (die heute noch stehen).
- Für den Bau wurden ungefähr 50.000 Tonnen Kalksandstein verwendet.
- Schätzungen zufolge transportierte das Aquädukt rund 20 Millionen Liter Wasser pro Tag beziehungsweise 20.000 m³. Manche Berechnungen gehen sogar von noch höheren Werten aus.
Die beeindruckendste Ingenieursleistung ist allerdings vermutlich eine andere:
Über die gesamte Länge des rund 50 Kilometer langen Wasserwegs betrug das Gefälle lediglich 17 Meter – oder 0,034 %!
Siebzehn Meter.
Auf fünfzig Kilometer.
Und es hat funktioniert.
Wie gesagt: Es ist unglaublich schwer zu beschreiben, wie es sich anfühlt, direkt neben einem solchen Meisterwerk der Ingenieurskunst zu stehen.
Wir sind einfach froh, dass wir es mit eigenen Augen erleben konnten.
Solltet ihr einmal in der Gegend unterwegs sein, dann gehört der Pont du Gard definitiv auf die Liste.
… Ach und was das Schwimmen angeht, ja das war uns viel zu voll.
