
FR26.6 L’Isle-sur-la-Sorgue
Wieder einmal nutzten wir Park4Night, um unser nächstes Zuhause auf Zeit zu finden – und diesmal haben wir wirklich einen Volltreffer gelandet.
Kathrin entdeckte das Weingut Domaine La Camarette, das kostenlose Übernachtungen unter wunderschönen Bäumen anbietet, umgeben von Weinbergen und Olivenhainen.
Als wir ankamen, wurden wir von einer unglaublich freundlichen Besitzerin und einem winzigen Kätzchen begrüßt, das kaum älter als ein paar Wochen gewesen sein konnte. Offenbar hatte es sich genau in dem Moment zum ersten Mal aus der Sicherheit des Hofladens hinausgewagt, als wir gerade die Weine anschauten.
Die Besitzerin erzählte uns etwas über die Geschichte des Weinguts und dass hier inzwischen in der neunten Generation Wein produziert wird.
Mit einem Lächeln – wobei wir bis heute nicht sicher sind, ob es ernst gemeint war – sagte sie:
“Unsere Eltern hatten keine Jungen, also mussten wir übernehmen.”
Egal ob Scherz oder nicht: Sie machen ihren Job hervorragend. Neben Wein bauen sie auch Oliven (lecker!) und verschiedene Linsensorten an, die sie sowohl als ganze Linsen als auch als Mehl und in vielen anderen Varianten verkaufen.
Natürlich konnten wir nicht widerstehen und kauften eine Flasche Rosé sowie etwas Olivenöl.
Zum Abschied empfahl sie uns noch ausdrücklich den Markt in L’Isle-sur-la-Sorgue am nächsten Tag. Der stand ohnehin bereits auf unserer Liste, aber es ist immer schön, wenn Einheimische bestätigen, dass sich ein Besuch wirklich lohnt.
Ein schöner Spaziergang und ein entspannter Abend rundeten den Tag ab und wir schliefen hervorragend.
Am nächsten Morgen schwangen wir uns auf die Fahrräder und machten uns auf den Weg nach L’Isle-sur-la-Sorgue. Die Strecke war etwa 14 Kilometer lang beziehungsweise rund 40 Minuten mit dem Fahrrad.
Als Deutsche waren wir positiv schockiert festzustellen, dass wirklich jeder grüßte, wenn man an ihm vorbeifuhr. Spaziergänger, Jogger, Radfahrer – selbst die Vögel schienen uns ein fröhliches “Bonjour” entgegenzuzwitschern 🐦
Es hat uns tatsächlich den Tag versüßt.
Der Ort – beziehungsweise die Altstadt – ist von Kanälen und Wasserläufen umgeben. Überall entdeckt man noch alte Wasserräder und ehemalige Mühlen, die dem Ganzen einen ganz besonderen Charme verleihen.
Dazu kommen die typischen engen Gassen und kleinen Plätze, die sich plötzlich öffnen und eine Kirche oder ein anderes beeindruckendes Gebäude freigeben.
Wir hatten eigentlich einen netten kleinen Markt erwartet.
Was wir stattdessen vorfanden, war ein komplettes Dorf, das sich in einen einzigen riesigen Markt verwandelt hatte.
Und darauf waren wir absolut nicht vorbereitet.
Die Atmosphäre war fantastisch. Hinter jeder Ecke wartete etwas Neues: ein wunderschönes Gebäude, ein gemütliches Café, eine Crêperie, ein weiteres Wasserrad oder der nächste spannende Marktstand.
Irgendwann müssen sich die Besitzer von Antiquitätengeschäften wohl zusammengesetzt und beschlossen haben, dass genau dieses Dorf das Zentrum aller Antiquitäten werden soll.
An jeder Ecke befand sich mindestens ein Antiquitätenladen.
Die Versuchung war groß.
Zum Glück haben wir in Wilma nach wie vor keinen Platz für irgendwelche Schätze, was uns vermutlich vor dem finanziellen Ruin bewahrt hat.
Der Markt selbst bot wirklich alles, was man sich vorstellen kann: Antiquitäten, Flohmarktartikel, Produkte von Bauernhöfen, frisches Obst und Gemüse, Brot und Croissants, Schmuck, Käse, Fleisch, Kleidung, Street Food, noch mehr Käse, noch viel mehr Käse und … haben wir den Käse eigentlich schon erwähnt?
Wir schlenderten durch die Straßen, bis die Händler langsam begannen ihre Stände abzubauen.
Danach gönnten wir uns noch eine kleine Stärkung. Ich entschied mich für eine Galette und Kathrin für einen klassischen Crêpe.
Was für ein passender Abschluss für einen wunderschönen Tag in L’Isle-sur-la-Sorgue.
Eine weitere Empfehlung, die unsere Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern sogar übertroffen hat.
Wir werden wahrscheinlich noch einmal wiederkommen – dann allerdings an einem Tag ohne Markt, einfach um zu erleben, wie sich der Ort im Alltag anfühlt.
Wir vermuten, genauso wunderbar.
