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🇲🇦 Marokko🌅 On the road🚐 Van life

MA9: Icht

15. April 2026Von Stefan
Zurück zu allen GeschichtenLesezeit ~4 Minuten

Icht ist ein weiteres kleines Dorf im Süden Marokkos, bekannt für seine alte Stadt, die teilweise unterirdisch angelegt ist, sowie für Felszeichnungen, die angeblich sehr weit zurückreichen.

Diesmal haben wir uns für einen offiziellen Campingplatz entschieden, weil wir ein paar Dinge erledigen wollten – unter anderem Wäsche waschen.

Google Maps hat uns in die völlig falsche Richtung gelotst und wir sind zunächst auf privatem Gelände gelandet. Nachdem wir die Navigation selbst in die Hand genommen hatten, fanden wir den Eingang zum Campingplatz nach fünf Minuten.

Als wir ankamen, checkte gerade ein Schweizer Pärchen ein und Kathrin kam schnell mit den beiden ins Gespräch. Sie erzählten uns, dass in etwa zwei Stunden eine Führung durch die alte Stadt stattfinden würde und noch Plätze frei wären.

Perfektes Timing – wir haben schnell die Waschmaschine angeworfen und kaum hatten wir die Wäsche aufgehängt, stand der Tourguide parat. Es war eine kleine, gemischte Gruppe: ein paar Franzosen, ein paar Schweizer und wir als die Deutschen. Wir waren die Einzigen, die kein Französisch sprachen – aber das war für den Guide überhaupt kein Problem. Er hat seine Erklärungen auf Französisch aufgenommen und sie von einer Übersetzungs-App ins Deutsche übersetzen lassen. Das hat überraschend gut funktioniert und wir fanden es total toll und fortschrittlich von ihm. Da kann sich so mancher Tourguide eine Scheibe von abschneiden!

Er führte uns durch die Stadt, die er offensichtlich in- und auswendig kannte, und hatte eine Menge interessanter Informationen und historischer Fakten parat. Dabei erfuhren wir, dass seine Familie eines der Häuser im Dorf besitzt und dass sein Großvater der letzte war, der dort gelebt hat.

Er erzählte uns, dass sein Großvater zwei Frauen hatte – bis zu vier sind erlaubt – und deshalb musste das Haus mindestens drei Ebenen haben: eine gemeinsame Ebene, eine für Frau Nr. 1 und eine für Frau Nr. 2.

Das hat einige Franzosen auf den Plan gerufen, die anfingen zu diskutieren und zu erklären, dass das nicht in Ordnung sei. Wir verstehen einfach nicht, warum manche Leute meinen, sie müssten einem Tourguide erklären, dass seine oder die Lebensweise seiner Kultur falsch ist. Man darf denken, was man will – aber warum muss man anderen Leuten sowas immer unter die Nase reiben in einer belehrenden Art und Weise?!

Nach diesem etwas unangenehmen Moment ging die Tour weiter, der Guide hat gekonnt über die Diskussion hinweg geschaut. Er erklärte er uns, dass die kleinen Löcher in den Wänden Taubenfallen sind. Für Taubenliebhaber ein perfektes System – die Einkäufe fliegen quasi von selbst in den „Kühlschrank”. Für uns Vegetarier war der Gedanke eher… „interessant” 😉

Besonders beeindruckend war das Bewässerungssystem, das Hunderte, wenn nicht Tausende von Jahren alt ist und Wasser direkt aus dem Atlasgebirge heranführt – teilweise unterirdisch. Eine wirklich bemerkenswerte Ingenieursleistung! Das Wasser war glasklar und sogar Fische leben darin.

Die gesamte Tour dauerte etwa zwei Stunden und die Zeit verging wie im Flug. Normalerweise lädt der Tourguide die Gruppe zum Tee zu sich nach Hause ein – aber wegen des Ramadans fiel das diesmal leider aus. Wir hätten wirklich gerne noch mehr über das Leben in Marokko und die Geschichte seiner Familie erfahren. Es war toll, dass er so viele Einblicke gegeben hat, vor allem in die Vergangenheit seiner Familie.

Zurück am Campingplatz war die Wäsche trocken – 30°C wirken eben Wunder! – und wir haben noch etwas Zeit mit dem Schweizer Pärchen verbracht, bevor wir einen ruhigen Abend genossen.

Am nächsten Tag sind wir ziemlich früh aufgebrochen, denn das nächste Highlight wartete schon: die R107 – auch bekannt als die beeindruckendste Strecke in ganz Marokko. Aber bevor wir uns auf dieses Abenteuer eingelassen haben, haben wir noch bei den Felszeichnungen Halt gemacht. Wir haben nur zwei Felsen mit Gravuren gefunden und die waren ehrlich gesagt nicht besonders spektakulär. Vielleicht haben wir nach all den Dokumentationen über Höhlenmalereien einfach zu viel erwartet?