
🇱🇻 Bernāti, Liebau & Jurkalne
Wir beschlossen, dass es Zeit war, Litauen Lebewohl zu sagen und Lettland willkommen zu heißen! Als Erstes stand Wäschewaschen an. Ja, sehr aufregend, aber auch das gehört zum Vanlife. Weil wir uns einen entspannten Tag wünschten, suchten wir uns den nächstgelegenen, vielversprechend aussehenden Campingplatz mit Strandzugang und Waschmaschine aus.
Er wird von einer Familie geführt, und wir wurden herzlich empfangen. Trotz kleinerer Sprachbarrieren unterhielten wir uns großartig mit unserem allerersten Einheimischen in Lettland.
Voller Vorfreude auf die Waschmaschine setzten wir sie sofort in Betrieb und hängten die Wäsche in die Sonne.
Danach spazierten wir am Strand entlang und genossen einen weiteren perfekten Sonnenuntergang. Zu unserer Überraschung hatte jemand auf einer Düne unter dem Ast eines Baumes eine Schaukel aufgehängt, mit der wir dem Sonnenuntergang entgegenschaukeln konnten.
Was für ein wunderschöner Tag!
… bis wir zurückkamen und unseren Fehler bemerkten: Die Sonne hatte kaum noch Kraft, und unsere Wäsche war genauso nass wie zuvor.
In der nahe gelegenen Stadt Liepāja gab es einen Waschsalon, also fügten wir uns in unser Schicksal, sammelten die nasse Wäsche ein und verbrachten einen guten Teil des nächsten Tages vor dem Waschsalon.
Als die Wäsche erledigt war, nutzten wir den Rest des Tages, um Liepāja zu erkunden. Die Einheimischen nennen die Stadt gern „die Stadt, in der der Wind geboren wird“, ein Spitzname, der ebenso auf die ständige Meeresbrise anspielt wie auf den kreativen, eigenständigen Geist der Stadt.
Offenbar gibt es hier auch einen Militärhafen, denn direkt am Kanal bei der Hafeneinfahrt sahen wir Militärschiffe, Leute in Uniform und abgesperrte Bereiche. Die Marinegeschichte hat hier tiefe Wurzeln: Etwas weiter nördlich liegt Karosta, ein ehemaliger Marinestützpunkt, den Zar Alexander III. ab 1890 bauen ließ. Zu Sowjetzeiten war er eine geschlossene Militärstadt, die selbst für die Einwohner von Liepāja tabu war. Heute nimmt er etwa ein Drittel der Stadtfläche ein, und sein Name leitet sich von „kara osta“ ab, auf Lettisch „Kriegshafen“. Man kann dort sogar das alte Militärgefängnis besichtigen oder darin übernachten. Nicht ganz unsere Vorstellung von einem entspannten Tag.
Ehrlich gesagt hat uns die Stadt nicht sonderlich vom Hocker gehauen, was eigentlich ein bisschen unfair ist, denn Liepāja gilt auch als Geburtsstadt des lettischen Rocks und wird 2027 Europäische Kulturhauptstadt. So landeten wir in einem tollen Café, wo wir den Besuch mit Kaffee und Kuchen abschlossen. Lecker!
Es war ja schließlich ein ziemlich erzwungener Stopp (wegen der Wäsche) …
Der Tag hatte richtig gut angefangen: Die Wäsche war problemlos erledigt, wir hatten ein tolles Frühstück gehabt, ein schönes Café gefunden und eine neue Stadt erkundet.
Jetzt mussten wir nur noch einen schönen, ruhigen Schlafplatz finden. Schnell entdeckten wir einen netten Stellplatz direkt hinter den Dünen, mit Zugang zum Strand. Perfekt!
Nachdem wir Wilma geparkt hatten wollten wir direkt zum Strand, aber vorher noch schnell einen Schluck Wasser. Und genau da nahm der Tag eine Wendung zum Schlechteren. Das Wasser war bräunlich-gelb! Wir hatten den Tank erst morgens gefüllt und nichts bemerkt, aber offenbar enthielt das Wasser jede Menge Eisen. Eine kurze Suche im Internet bestätigte, dass in vielen Teilen des Baltikums das Leitungswasser einen hohen Eisengehalt hat.
Tja, und jetzt? Das konnten wir nicht trinken, und Wasser in Flaschen hatten wir auch keines.
Nach 20 ziemlich stressigen Minuten stand der Plan: Wir leerten den gesamten Tank, kauften im nahe gelegenen Laden ein paar Flaschen Wasser und wechselten auf einen kostenpflichtigen Campingplatz etwa 20 Minuten entfernt, der ausdrücklich angab, dass dort Trinkwasser zum Befüllen des Tanks zur Verfügung stand.
Der Plan ging auf, und die Krise war abgewendet. Und wir wurden sogar belohnt! Wir waren die einzigen Camper, und der Platz war der Wahnsinn: kleine Hütten mit Sofas und Sesseln überall, ein privater Zugang zum Strand über eine etwas abenteuerlich aussehende, aber völlig sichere selbstgebaute Treppe und ein wunderschöner Sonnenuntergang.
Was für ein Tag!
