
🇱🇹 Memel (Klaipėda)
Nachdem wir den beeindruckenden Berg der Kreuze gesehen hatten, haben wir einen schönen Park an einem kreisrunden See für die Nacht gefunden. Rund um den See standen jede Menge Schaukeln, zur großen Freude von Kathrin. Schaukeln sind wie ein Magnet und zaubern immer ein Strahlen in ihr Gesicht (und meins auch!).
Wir hatten eine rundum ruhige Nacht und einen überraschend spaßigen Morgen auf diversen Schaukeln. Wieder einmal hat Litauen bewiesen, dass es eine Sache außergewöhnlich gut kann: öffentliche Parks!
Jetzt stand eine schwere Entscheidung an: die Kurische Nehrung besuchen oder nicht? Wir hatten vieles darüber gehört und recherchiert.
Pro: schöne Natur und sehr wahrscheinlich ein ruhiger, entspannter Tag.
Contra: Man braucht eine Fähre, das Parken soll extrem kompliziert sein, besonders mit größeren Fahrzeugen, Wildcampen ist nicht erlaubt, und der einzige Campingplatz verlangt ein Vermögen für quasi keine Leistung.
Nach einem Blick auf die Karte und der Erkenntnis, dass noch viel mehr Chancen auf einen Abend am Strand bestanden, entschieden wir uns, die Kurische Nehrung auszulassen und stattdessen nach Klaipėda zu fahren.
Die Stadt hat eine schöne Altstadt, und wir sind immer Fans von Orten, durch die Flüsse und Kanäle fließen. Wir schlenderten durch die Straßen und saugten die Atmosphäre auf, während wir an einem erschwinglichen und sehr leckeren Kaffee nippten. Es ist eine geschäftige Stadt, die aber gleichzeitig eine gewisse Ruhe ausstrahlt, was uns gefiel. Der Hafen dagegen wirkte vor allem industriell und war nichts, wofür wir uns groß begeistern konnten.
Klaipėda hat eine weitere Attraktion, die vermutlich weltweit absolut einzigartig ist: eine (lebendige) Katze, die ihren eigenen Eintrag bei Google Maps hat, mit Rezensionen: die Old Town Cat.
Klaipėda ist auf jeden Fall einen Besuch wert, wenn man in der Gegend ist, aber ein paar Stunden fühlten sich für uns genug an. Als wir also unsere Dosis Kaffee und Stadtflair intus hatten, zogen wir weiter. Das Ziel: ein schönes Plätzchen für die Nacht finden, am liebsten mit Zugang zum Strand für den besagten Abend am Meer.
Das gestaltete sich schwieriger als gedacht, denn der gesamte Küstenstreifen nördlich von Klaipėda in Strandnähe ist voller (geschlossener) Campingplätze, Ferienhäuser und Ferienanlagen oder dichter Wälder. Wildcampen ist wegen der Naturschutzgebiete nicht erlaubt.
Schließlich fanden wir einen Campingplatz, der buchstäblich mitten in einer neuen Siedlung liegt. Offiziell hatten sie geöffnet, inoffiziell war die Saison vorbei, und sie waren damit beschäftigt, allerlei Rohrleitungen zu erneuern. Die Wiese war ein einziger Acker mit ausgebaggerten Kanälen. Dienstleistungen waren auch keine zu erwarten. Wir einigten uns auf einen fairen Preis und stellten uns auf ein Stück Wiese. Alles, was wir brauchten, war ohnehin ein sicherer und ruhiger Schlafplatz.
Kaum stand Wilma, machten wir uns sofort auf zum Strand, nur zehn Minuten zu Fuß entfernt, und genossen einen wunderschönen Sonnenuntergang, der nur von der einen oder anderen hartnäckigen Mücke gestört wurde, die mir unbedingt das Blut aussaugen wollte.
