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Entspannung am See
🇱🇹 Litauen🌄 On the road🚐 Van life
Episode #114

🇱🇹 Aukštaitija-Nationalpark – Wunderschöne Natur mit kleinen Nervensägen

27.09.2026 – 30.09.2026Von Kathrin (25. Oktober 2026)
← Zurück zu allen GeschichtenLesezeit ~4 Minuten

Endlich spielte das Wetter wieder mit! Nach einigen grauen und verregneten Tagen zeigte sich Litauen von seiner sonnigen Seite. Perfektes Timing für unseren nächsten Stopp: den Aukštaitija-Nationalpark.

Eine Bekannte hatte uns die Gegend zum Wandern empfohlen. Und tatsächlich: Der älteste Nationalpark Litauens ist mit seinen dichten Wäldern, Hügeln und über hundert Seen ein kleines Naturparadies.

Wir fanden einen fantastischen Stellplatz direkt am See. Wilma stand praktisch in der ersten Reihe, mit freiem Blick aufs Wasser. Herrlich!

Drei Wanderungen hatten wir uns herausgesucht. Die Vorfreude war groß, das Wetter bestens und wir voller Tatendrang.

Was sollte da schon schiefgehen?

Unsere erste Wanderung führte uns durch wunderschöne Wälder, entlang kleiner Seen und durch einige winzige Dörfer. Von einer Aussichtsplattform hatten wir einen fantastischen Blick über die Landschaft: Wasser und Wald, so weit das Auge reichte.

Mindestens genauso interessant fanden wir die kleinen Dörfer, in denen die Zeit teilweise stehen geblieben zu sein schien.

Alte Holzhäuser, eigene Brunnen, riesige Gemüsegärten und Stromleitungen, bei deren Anblick vermutlich so mancher deutsche Elektriker Schnappatmung bekommen hätte.

Einige Häuser wirkten so heruntergekommen, dass wir uns fragten, ob dort überhaupt noch jemand wohnte.

Doppelverglasung? Was ist das?

Bei manchen Fenstern und Dächern konnte man vermutlich schon froh sein, wenn es nicht reinregnete.

Unweigerlich fragten wir uns, wie die Menschen hier durch die bitterkalten litauischen Winter kommen. Von außen lässt sich natürlich schwer beurteilen, wie es sich in diesen Häusern tatsächlich lebt. Aber der Kontrast zu unserem gewohnten Alltag war schon enorm.

Immer wieder entdeckten wir auch kleine religiöse Schreine, Holzkreuze und Statuen von Maria, Jesus und verschiedenen Heiligen. Die katholische Tradition ist in Litauen, besonders auf dem Land, noch deutlich sichtbar.

Es war eine herrlich entspannte Wanderung, bei der es neben der Natur auch einiges über das ländliche Leben zu entdecken gab.

Wir freuten uns bereits auf unsere nächsten Touren.

Doch dann machte uns ein ziemlich unangenehmer Waldbewohner einen Strich durch die Rechnung.

Wer hat sich dieses Vieh ausgedacht?

Bei den nächsten Wanderungen schwirrten plötzlich immer wieder kleine, seltsam aussehende Insekten um uns herum.

Eine Mischung aus Fliege, Zecke und Spinne. Zumindest optisch.

Eines dieser Biester krabbelte in meine Haare, ein anderes verschwand unter meinem Shirt.

UNTER MEIN SHIRT!

Da war es mit meiner Naturverbundenheit erst einmal vorbei.

Wie ich später herausfand, handelte es sich um Hirschlausfliegen.

Diese etwa vier bis sechs Millimeter großen Plagegeister haben eine ziemlich ungewöhnliche Lebensweise. Sie fliegen bevorzugt Hirsche, Rehe und andere Wildtiere an, werfen nach der Landung ihre Flügel ab und krabbeln anschließend durchs Fell, um Blut zu saugen.

Flügel abwerfen! Einfach so!

Nach dem Motto: „So, hier gefällt’s mir. Ich bleibe.“

Leider landen sie gelegentlich auch auf Menschen. Besonders gerne verkriechen sie sich in den Haaren oder am Nacken und können sogar beißen.

Na wunderbar.

Halten die mich etwa für einen Hirsch?

Bei meiner Recherche las ich zudem, dass möglicherweise auch helle Kleidung eine Rolle dabei spielt, wen die Hirschlausfliegen anfliegen. Das wäre natürlich eine Erklärung. Denn meine Outdoor-Klamotte besteht fast ausschließlich aus hellen Jacken und Pullovern.

Vielleicht haben die Viecher mich also gesehen und gedacht:

„Schau mal, da läuft ein Hirsch!“

Ein etwas ungewöhnlicher Hirsch zwar, auf zwei Beinen, mit Wanderschuhen und Rucksack. Aber offenbar sind diese Tiere nicht besonders wählerisch.

Schlimm fand ich außerdem auch das konstante Gefühl, was ich dann im Van hatte.

Krabbelt da noch etwas in meinen Haaren? Bewegt sich da etwas am Nacken? Oder bilde ich mir das nur ein?

Irgendwann juckte es mich gefühlt überall.

Und aus einer entspannten Wanderung wurde zunehmend eine Veranstaltung mit ständigem Haarekontrollieren, Klamottenausschütteln und hektischem Herumgefuchtel.

Drei Wanderungen geplant, eine geschafft

Am Ende blieb es bei einer vollständig gelaufenen Wanderung.

Nicht, weil uns die Kondition fehlte oder das Wetter schlecht war. Wir hatten schlicht einfach keine Lust mehr, als wandelndes Hirschlausfliegen-Buffet durch den Wald zu laufen. Also ich mehr als Stefan…

Schade eigentlich, denn der Aukštaitija-Nationalpark hat uns mit seiner wunderschönen Landschaft und den kleinen ursprünglichen Dörfern begeistert. Auch die Tage an unserem Stellplatz direkt am See waren wunderschön. Die herumschwirrenden Mücken waren dagegen harmlos und haben wir in Kauf genommen. Wir wären gerne noch was länger geblieben, aber ich hatte ehrlich gesagt keine Lust mehr bekrabbelt zu werden.