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The Museum for Ethnokosmology
🇱🇹 Litauen🌄 On the road🚐 Van life
Episode #113

🇱🇹 Von Regenwolken zu fernen Galaxien

26.09.2026Von Kathrin (20. Oktober 2026)
← Zurück zu allen GeschichtenLesezeit ~6 Minuten

Nach unserem ziemlich außergewöhnlichen Aufenthalt in Kernavė, inklusive einer Geburtstagsparty, die uns wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird, ging es weiter.

Das Wetter hatte sich leider kein bisschen verbessert. Der Himmel war weiterhin grau und die Regenwolken schienen beschlossen zu haben, uns auf unserer Reise durch Litauen treu zu begleiten.
Was macht man also an einem verregneten Samstag?
Richtig. Man beschäftigt sich mit dem Universum.

Wenn wir schon keinen blauen Himmel zu sehen bekamen, wollten wir wenigstens wissen, was sich dahinter so alles verbirgt.
Unser nächstes Ziel war deshalb das Astronomische Observatorium Molėtai, genauer gesagt das Litauische Museum für Ethnokosmologie.

Ein UFO mitten im litauischen Nirgendwo

Umgeben von Wäldern, Hügeln und Seen, liegt das Museum ziemlich weit ab vom Schuss. Und das hat durchaus seinen Sinn. Denn wer Sterne und ferne Galaxien beobachten möchte, kann auf die Lichtverschmutzung gut verzichten.

Schon von Weitem entdeckten wir das futuristisch anmutende Gebäude, das ein bisschen aussah, als wäre mitten im litauischen Wald ein UFO gelandet. Und tatsächlich passt diese Architektur ziemlich gut zum Thema.

Das Museum ist nämlich kein gewöhnliches Astronomiemuseum. Hier geht es nicht nur um Planeten, Sterne und Galaxien, sondern auch darum, wie die Menschen seit Jahrtausenden versuchen, das Universum zu verstehen.

Was haben unsere Vorfahren in den Sternen gesehen? Wie entstanden Kalender? Wie funktioniert unser Sonnensystem? Und gibt es da draußen vielleicht noch jemanden? Fragen, die sich die Menschheit schon ziemlich lange stellt. Und auf einige davon gibt es bis heute keine eindeutigen Antworten.

Das Museum verbindet dabei moderne Astronomie mit alten Mythen, kulturellen Vorstellungen und der Geschichte der Weltraumforschung. Eine ziemlich interessante Mischung.
Wir waren sehr gespannt und marschierten erst einmal voller Tatendrang zum Eingang.

Litauisch oder Russisch? Ähm … weder noch!

Drinnen erklärte uns eine freundliche Dame, dass man das Museum ausschließlich im Rahmen einer Führung besichtigen könne.
Ach so.
Das hatten wir natürlich vorher nicht gewusst.
War die ganze Fahrt jetzt umsonst gewesen?
Aber es kam noch besser.
Es gäbe heute nur Führungen auf Russisch oder Litauisch.
„Prima“.

Wir sprechen weder Russisch noch Litauisch. Und mit ein paar freundlichen Wörtern wie „Labas“ und „Ačiū“ kommt man bei einer Führung über Astrophysik vermutlich nicht besonders weit.
Die Dame hatte allerdings eine Lösung: Um 15:30 Uhr würde noch eine litauische Führung stattfinden, bei der zwei Plätze frei seien.
Zusätzlich könnten wir eine App herunterladen, über die in jedem Ausstellungsraum englische Erklärungen und Videos per QR-Code abrufbar wären.

Na also! Das klang doch nach einem Plan.

Wir waren allerdings schon um 14 Uhr dort. Blieben also noch anderthalb Stunden bis zur Führung. Zeit genug, um den Außenbereich zu erkunden.

Stonehenge auf Litauisch?

Auch draußen gibt es einiges zu entdecken. Unter anderem verschiedene Planetenmodelle, eine Sonnenuhr und eine ziemlich große Anordnung von Steinen. Die Planeten konnten wir noch problemlos zuordnen. Aber die Steine?
Was sollte das denn sein?
Ein litauisches Stonehenge? Ein prähistorischer Versammlungsplatz? Oder hatte hier jemand einfach ein paar Steine besonders ordentlich aufgestellt?

Wir liefen ein bisschen herum, schauten uns die Konstruktion an und waren zunächst nicht wirklich schlauer.

Dabei handelt es sich um die sogenannte „Litauische Sonne“, einen rund 30 Meter großen Steinkreis, dessen Steine aus verschiedenen Regionen Litauens stammen. Die Anlage ist so gestaltet, dass sich unter anderem die Himmelsrichtungen sowie die Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen daran erkennen lassen. Ziemlich clever!
Wenn man weiß, was man da vor sich hat.
Uns erschloss sich die ganze Konstruktion allerdings erst später, als wir sie von oben betrachten konnten. Bis dahin blieb es für uns erst einmal bei Stonehenge, litauische Ausgabe.

Ein Crashkurs in Astronomie auf Litauisch

Pünktlich um 15:30 Uhr begann unsere Führung.
Ein Herr begrüßte die Gruppe und führte uns durch die verschiedenen Ausstellungsräume.

Er erzählte offenbar eine ganze Menge über unser Sonnensystem, Gravitation, die Geschichte der Astronomie und die Instrumente, mit denen Menschen früher versucht haben, die Geheimnisse des Universums zu entschlüsseln. Zumindest nehmen wir das an.
Denn verstanden haben wir …
Absolut. Nichts.

Unser Guide sprach ja Litauisch. Und zwar in einer Geschwindigkeit, bei der selbst Muttersprachler vermutlich gelegentlich hätten nach Luft schnappen müssen.

Wir standen also da, nickten gelegentlich interessiert und versuchten, aus dem Redeschwall irgendetwas Bekanntes herauszufiltern.
„Galileo!“
Ah! Den kennen wir!
„Kopernikus!“
Jawohl! Schon mal gehört!
Immerhin zwei Namen, die wir zweifelsfrei identifizieren konnten.
Der Rest war für uns ungefähr so verständlich wie eine Nachricht aus einer fernen Galaxie.
Aber wir hatten ja unsere App.
Also scannten wir brav in jedem Raum den QR-Code, schauten uns die englischen Videos an und lasen die Erklärungen auf unseren Handys.

Und tatsächlich war das Ganze richtig interessant. Die Ausstellung führt durch verschiedene Bereiche der Astronomie und Weltraumforschung. Von den ersten Versuchen, den Sternenhimmel zu deuten, über die Entwicklung astronomischer Instrumente bis hin zu modernen Satelliten und der Suche nach außerirdischem Leben.

Es gibt Meteoriten, historische Gegenstände, Modelle und jede Menge spannende Informationen darüber, wie winzig unsere Erde im Vergleich zum restlichen Universum eigentlich ist.
Da fühlt man sich als Mensch plötzlich ziemlich unbedeutend.
Andererseits: Immerhin haben wir es geschafft, eine App herunterzuladen und QR-Codes zu scannen. So ganz hoffnungslos ist die Menschheit also nicht.

Zwei Führungen gleichzeitig, eine davon auf dem Handy

So interessant die Ausstellung auch war, manchmal wurde es ein bisschen anstrengend.

Stellt euch vor, ihr steht in einem Raum voller spannender Objekte, die ihr euch am liebsten sofort genauer anschauen möchtet.
Gleichzeitig erzählt der Guide mit voller Begeisterung und in atemberaubendem Tempo irgendetwas auf Litauisch.
Und ihr?
Ihr steht daneben, starrt auf euer Handy und versucht, euch die englischen Erklärvideos anzuschauen.
Während der Guide schon längst beim nächsten Thema angekommen ist. Es fühlte sich ein bisschen so an, als würden wir zwei Führungen gleichzeitig machen. Eine live, von der wir nichts verstanden, und eine digitale, bei der wir ständig aufpassen mussten, den Anschluss nicht zu verlieren. Trotzdem war es eine gute Lösung. Ohne die App wären wir vermutlich mit sehr viel weniger astronomischem Wissen und einem deutlich größeren Fragezeichen im Gesicht wieder herausgekommen.

Zehn Stockwerke bis zu den Sternen

Zum Abschluss ging es hinauf zur Aussichtsplattform, die sich rund 32 Meter über dem Boden befindet.
Und zwar über die Treppe.
Zehn Stockwerke.
Wir waren offenbar der Meinung, dass man die auch in einem sportlichen Tempo bewältigen könnte.
Oben angekommen, galt deshalb unser erster Gedanke nicht den Sternen, dem Universum oder der beeindruckenden Architektur.
Sondern schlicht und einfach:
Luft! Wir brauchen Luft!
Nachdem wir wieder einigermaßen normal atmen konnten, genossen wir die Aussicht.

Von hier oben blickt man über die weiten Wälder und Seen der Umgebung. Eine wunderschöne Landschaft, selbst bei grauem Himmel.

Auch das Observatorium mit seinem Teleskop befindet sich hier oben. Bei entsprechenden Bedingungen werden damit nachts Sterne und andere Himmelskörper beobachtet.

Für uns blieb es allerdings beim Blick über die Landschaft. Bei Tageslicht und unserem wolkenverhangenen Himmel war an Sternenbeobachtung ohnehin nicht zu denken.
Dafür gab es noch einen kleinen Aha-Moment.
Denn von hier oben konnten wir endlich die Steinformation im Außenbereich richtig erkennen.
Ach, guck mal!
Eine Sonne!
Mit Sonnenstrahlen!
Na bitte. Das Rätsel unseres vermeintlichen litauischen Stonehenge war also auch gelöst.

Ab und an braucht man einfach ein bisschen Abstand, um die Dinge zu verstehen.

In unserem Fall 32 Meter Höhenunterschied.