
MA11: Tafraout
Tafraout wurde uns zuerst von Heidi und Peter empfohlen. Für sie war es selbstverständlich, dass man dort einfach einen Stopp einlegen muss. Wir haben zum allerersten Mal in genau diesem Moment davon gehört – was im Nachhinein ziemlich witzig ist, denn wenn man erst mal in Tafraout ist, versteht man sofort, dass es eines der beliebtesten Reiseziele in ganz Marokko ist.
Tafraout hat ein paar „normale” Campingplätze, aber es gibt auch „die Platte” – eine riesige Fläche für Camper. Ich würde schätzen, dass dort locker 400–500 Fahrzeuge Platz finden. Das Besondere: Es gibt offiziell keine Services, aber eine Frischwasser- und Entsorgungsstation ist in der Nähe.
Der Preis? 15 MAD, also etwa 1,50 € für 24 Stunden. Das Preis-Leistungs-Verhältnis? Unglaublich! Täglich kommen verschiedene Händler vorbei. Manche haben Wassertanks auf kleine 4×4-Fahrzeuge geschnallt – mit Pumpe und Generator – und fungieren als inoffizieller Wasserlieferant. Dazu gibt es Leute, die Eier, Gebäck, Brot und eigentlich alles anbieten, was man so braucht. Man muss sein Fahrzeug kaum verlassen und wird nie verhungern oder verdursten.
Jeden Abend ziehen ein paar „Kassierer” ihre Runden und kassieren die Gebühr – im Tausch gegen einen kleinen, offiziell aussehenden Zettel.
Tafraout hat einiges zu bieten: von den berühmten „Blauen Felsen” (die uns ehrlich gesagt nicht interessiert haben) bis hin zum Löwengesicht im Berg. Es ist eine sehr lebhafte Stadt, in der gefühlt die Hälfte der Bevölkerung aus Touristen besteht – überwiegend Franzosen, viele davon bringen nicht nur ihren Camper mit, sondern auch noch ein zweites Fahrzeug, um flexibler unterwegs zu sein. Schon verrückt!
Wir haben ein echtes Berberhaus besucht. Der Besitzer hat es geerbt und lebt noch immer darin. Trotz Ramadan öffnete er uns herzlich seine Türen und erklärte in beeindruckendem Detail, wie durchdacht das Haus ist – von der Nutzung der Wärme der Tiere im Untergeschoss bis hin dazu, wie der Kochrauch das Holz termitensicher macht. Wir bekamen auch Einblicke in Bräuche und Bildung und waren überrascht zu erfahren, dass Verträge – zum Beispiel Heiratsverträge – in Bambus mit Kräutern aufbewahrt wurden, um sie haltbar zu machen.
Auf der Platte und drumherum gibt es außerdem einen riesigen „Werkstatt”-Bereich. Wieder einmal waren wir erstaunt, wie viele Camper offenbar extra dorthin fahren, um ihr Fahrzeug in Schuss bringen zu lassen.
In Tafraout erlebten wir unseren zweiten Sandsturm überhaupt – und den ersten, der von Regen begleitet wurde. Das Ergebnis: Wilma hatte einen neuen „Anstrich”, den wir sofort wieder entfernen mussten – nicht nur der Optik wegen, sondern auch um sicherzustellen, dass wir noch so viel Solarenergie wie möglich ernten können.
Wir hatten keine Ahnung, dass die Reinigungscrew – die uns wärmstens empfohlen worden war – auf unser Zuhause klettern würde, um es blitzsauber zu machen! Als sie anboten, den Hochdruckreiniger auch im Inneren der Türrahmen einzusetzen, haben wir dankend abgelehnt. (Sind die verrückt? 🤪)
Außerdem gibt es tolle Wanderungen – von gemütlich bis zur absoluten Hardcore-Variante. Wir haben uns für eine mittlere Option entschieden und waren sehr happy damit.
Nach etwa einer Woche wussten wir, warum es für Heidi und Peter so selbstverständlich war, dass man Tafraout einfach besucht haben muss, wenn man durch Marokko reist. Wir stimmen von ganzem Herzen zu und empfehlen jedem einen längeren Aufenthalt dort!
