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Bild das Zagora von oben mit vielen Palmen zeigt
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Zagora

1. März 2026Von Stefan
Zurück zu allen GeschichtenLesezeit ~6 Minuten

Zagora, wir haben es endlich geschafft! Und Spoiler-Alarm: Es hat alle Versprechen gehalten und alle unsere Wünsche erfüllt.

Sofort beim ersten Durchfahren haben wir einige Ecken aus YouTube-Videos anderer Vanlife-Reisender wieder erkannt – irgendwie ein lustiges Gefühl! Die Hauptstraße war, wie zu erwarten, sehr belebt: Läden, Cafés, Restaurants, Schulen, Straßenhändler – und natürlich Werkstatt an Werkstatt mit langen Schlangen von Campervans, Overlandern und Wohnmobilen, die auf ihre Reparaturen und Verbesserungen warteten.

Den Campingplatz, den wir ausgesucht hatten, lag etwas außerhalb der Stadt – das war Absicht, zum einen wegen der sehr guten Bewertungen, zum anderen um sicherzustellen, dass wir täglich ein paar Schritte mehr machen. Wir hatten keine Reservierung, dem Betreiber war direkt aus dem Gesicht zu lesen: das ist nicht gut. In zwei Tagen würde eine große Gruppe ankommen, die scheinbar mehr oder weniger den gesamten Platz gebucht hat. Zwei Nächte dürfen wir bleiben, das war für uns ok, wir hatten ohnehin einen Ausweich-Campingplatz in der Hinterhand. Unser Stellplatz war toll und der Campingplatz wunderschön. Viele Palmen gaben dem Ort eine tolle Atmosphäre und die Menschen waren unglaublich freundlich. Saubere Einrichtungen, Brot rund um die Uhr und wer möchte, kann am Pool zu Abend essen. Fantastisch!

Nachdem wir alles aufgebaut hatten, sind wir direkt los in die Stadt spaziert. Es sind etwa 20 Minuten zu Fuß (später wurde uns eine Abkürzung gezeigt, die die Strecke auf ~10 Minuten verkürzt) – durch Palmenhaine, über eine Brücke (allerdings ohne Wasser darunter) und an wunderschönen Gebäuden entlang.
Direkt hinter Zagora erstreckt sich eine schöne Bergkette, und auf einem der Berge ist mit großen Mauern der Schriftzug "الله الوطن الملك" (Gott – Vaterland – König) geschrieben - nachts sogar beleuchtet.

Die Stadt ist ziemlich weitläufig, aber es gibt eine klare Hauptstraße, die alles bietet, was man braucht. Und alles wird einem direkt von den Verkäufern angeboten - alle sind aber super freundlich. Viele betonen "das ist die Berber-Gastfreundschaft" – und wir fanden, da war wirklich was dran. Oft, wenn wir einen Berber "erkannt" hatten, schienen diese außergewöhnlich herzlich zu sein. Erkennen kann man sie gut, denn Berber und Nomaden haben unterschiedliche traditionelle Kleidungsstile und viele tragen diese auch heute noch.
Außerdem tragen sie Schmuck (Halsketten) mit verschiedenen Formen und Bedeutungen, die die Herkunft verraten können. All das haben wir von den Einheimischen gelernt – mehrmals – denn anfangs fiel es uns schwer, "Nein" zu sagen und so sitzt man öfter in einem Verkaufsgespräch, als man denkt. Glaubt mir: Wir lernten schnell, dass "No", "No, thanks" und "No, thank you very much" unabdingbar in marokkanischen Städten sind!
Ich weiß wohl, wenn ich jemals ein Unternehmen habe, das ein top sales Team braucht, dann würde ich alle meine Mitarbeiter nach Marokko schicken, um von den Straßenhändlern und Geschäftsinhabern zu lernen. Dann klingelt die Kasse garantiert! 💰

Nach 2 Tagen haben wir den Campingplatz gewechselt und waren happy, dass unser Ausweichquartier genauso schön wie der erste Platz war. Wieder außergewöhnlich freundliche Gastgeber, toller Service und eine wunderschöne Lage. Wir hatten geplant, die Wäsche selbst zu waschen, wurden aber schnell darauf hingewiesen, dass das nicht unsere Aufgabe sei. Der Beutel mit der schmutzigen Wäsche wurde uns mehr oder weniger abgenommen – es sei im Preis inbegriffen (6€ für 2 Maschinen). Und ehe wir uns versahen, hing unsere Wäsche ordentlich aufgereiht auf der Leine zum Trocknen. Daran könnte ich mich gewöhnen!

Zeit unseren ersten Souk zu besuchen ("großer Markt für alles, auch zum Handeln" – so wurde er uns erklärt). Auf dem Weg dorthin wurden wir natürlich sofort als Touristen erkannt. Ein freundlicher Einheimischer fragte, wohin wir wollten, und strahlte übers ganze Gesicht, als wir preisgaben, dass wir zum Souk laufen. Er hat dort natürlich selbst einen Stand, der uns jetzt in allen Einzelheiten angepriesen wurde.
Er war es, der uns die praktische Abkürzung zeigte und er schaute uns ungläubig an, dass wir wirklich 10 Minuten länger laufen wollten als nötig.
Unterwegs gab er uns eine kleine Geschichtsstunde, spielte aber auch wahllos WhatsApp-Sprachnachrichten ab – denen größtenteils nur ich lauschen durfte –, um zu beweisen, dass er kein Schwindler sei und tatsächlich nach Italien (546 Dirham Zollgebühren!!!!), Deutschland ("so ein schönes Schmuckstück") und viele andere Orte liefere. Als wir am Souk ankamen, waren wir froh, dass er uns darauf hinwies, dass der Heuwagen nicht für Menschen gedacht ist, sondern Tierfutter – wer hätte das gedacht 🤪
Natürlich führte er uns stolz zu seinem Stand und machte sich bereit, uns zum vierten Mal die Geschichte jeder einzelnen Berber-Halsketten-Form zu erklären. Also setzten wir unsere neue Fähigkeit – höflich, aber sehr bestimmt "Nein" zu sagen – gekonnt ein und entkamen, ohne irgendetwas zu kaufen.

Jetzt konnten wir den Souk auf uns wirken zu lassen. Es ist ein faszinierendes Erlebnis, und man bekommt wirklich alles: von der Bohrmaschine über Toilettenpapier und Seil bis hin zu Obst und Gemüse, sowie Fernseher, die aussehen als wären sie älter als das Universum selbst, und wirklich alles andere, was man sich vorstellen kann. Unsere Mission war jedoch einfach: unser erstes marokkanisches Gemüse und Obst kaufen. Und das gelang uns – auch wenn wir die Preise noch immer nicht fassen können und uns unweigerlich fragen, warum in Deutschland alles so teuer ist. Der Preis wird durch Wiegen bestimmt – nichts Neues, könnte man meinen, aber die Technik ist besonders! Der gesamte "Einkaufswagen" (meistens eine Spülschüssel) wird gewogen, und das war's. Nicht Äpfel, Bananen, Avocado, Blumenkohl separat mit einzelnen Kilopreisen, nein. Alles in die Schüssel einmal gewogen und schon ist der Preis ermittelt. Und der Preis ist top: Eine Woche Gemüse und Obst kostete uns etwa 5€. Logischerweise hat uns das gefreut.

Direkt neben unserem Campingplatz befand sich ein nettes kleines Riad, das laut Google Maps tolles Essen bereitet. Also war klar: wir gönnen uns ein Dinner. Vorspeisen, Tagines, frisch gepresster Orangensaft – alles mit tollem Ambiente am Pool. Es schmeckte fantastisch und das Brot mit Dipp war "free refill". Wieder einmal erlebten wir einen unglaublich freundlichen Service, der den Abend einfach perfekt machte.

In unserer letzten Nacht "erklommen" wir auf den Berg mit den großen Buchstaben und genossen einen wunderschönen Sonnenuntergang. Oh Zagora, du wunderbarer Ort – was für ein großartiger Einstieg in unser Marokko-Abenteuer!

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