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Wilma auf dem Abschlepper
🇲🇦 Marokko🌅 On the road🚐 Van life

MA13: Applause & Desaster

13. Mai 2026Von Stefan
Zurück zu allen GeschichtenLesezeit ~10 Minuten

Kleine Vorwarnung: Dieser Beitrag ist deutlich textlastiger als sonst.
Wie ihr nach dem Lesen vermutlich verstehen werdet, hatten Fotos während der ganzen Situation nicht unbedingt Priorität. Die meiste Zeit waren wir entweder gestresst, mit Fehlersuche beschäftigt oder schlicht zu erschöpft, um überhaupt ans Fotografieren zu denken.
Deshalb gibt es dieses Mal weniger Bilder und dafür einfach mehr Geschichte.

Diesen Beitrag zu schreiben war nicht einfach, da er einige Erinnerungen zurückruft. Aber wir wollen mal nicht vorgreifen. Andererseits: Es hat gerade mal 45 Minuten gedauert, bis aus yaaaay ein ziemlich großes noooooooo wurde.

Wie ihr euch vielleicht aus dem letzten Beitrag erinnert, verließen wir gerade den wunderschönen Campingplatz, auf dem wir nach ein paar Regentagen gemütlich unter Palmen standen und endlich wieder Sonne genießen konnten.

Alles war gut, wir hatten richtig gute Laune. Nach einiger Zeit fuhren wir durch ein weiteres kleines Dorf. Es war komplett voller Kinder. Wir vermuteten, dass gerade die Schule aus war.

Und plötzlich fingen die Kinder an zu jubeln. Manche klatschten sogar.

Wir verstanden erst überhaupt nicht, was eigentlich los war. Eines war allerdings schnell klar: Der Jubel galt … uns!?

Dann wurde uns klar, warum.

Wir waren in einer sehr konservativen Gegend Marokkos unterwegs und Kathrin saß am Steuer. Und zwar nicht irgendeines Fahrzeugs, sondern eines ziemlich großen Vans. Offenbar waren die Kinder es nicht gewohnt, so etwas zu sehen – fanden die Idee aber offensichtlich ziemlich großartig.

An dieser Stelle muss ich allerdings hinzufügen: Kathrin hatte den Jubel absolut verdient, denn sie ist wirklich eine hervorragende Fahrerin. (Nein, sie stand beim Schreiben dieses Textes nicht mit einer Pistole 🔫 hinter mir. Wirklich nicht. Ehrenwort. 100 %.)

Nachdem wir die jubelnden Kinder hinter uns gelassen hatten, kamen wir an eine Stelle, an der Wasser Teile der Straße weggespült hatte. Nichts Dramatisches, aber es gab einige längere, matschige Pfützen.

Wir ließen zunächst einen entgegenkommenden LKW durchfahren und beobachteten anhand seiner Reifen, wie tief die Pfützen ungefähr waren. Sah absolut harmlos aus. Vielleicht 10 bis 15 cm.

Nachdem der LKW vorbei war, fuhren wir langsam durch den Matsch.

Und Wilma machte ein lautes DING.

So ein Geräusch, das man niemals von seinem Auto hören möchte. So eins, das sofort sämtliche Aufmerksamkeit auf sich zieht. So eins, das man ab diesem Moment für immer hassen wird.

Im Display stand:

MOTOR KONTROLLIEREN

GETRIEBE KONTROLLIEREN

ASSISTENTSYSTEME AUSGEFALLEN

… begleitet von aggressiv aussehenden Warnsymbolen, die eines ziemlich deutlich machten:

Wir sind am Arsch 🖕.

Kathrin fuhr sofort rechts ran. Unser erster Gedanke: unsere Werkstatt zuhause anrufen. Unsere Vertrauenswerkstatt.

Dann die nächste Erkenntnis: Wir hatten nur Daten-SIMs gekauft und unsere deutschen SIM-Karten funktionierten in Marokko nicht.

Wir versuchten es trotzdem und mit unglaublich viel Glück ging der Anruf tatsächlich durch. Noch größeres Glück: Genau der richtige Mechaniker ging ran.

Wir erwarteten gar keine Sofortdiagnose. Wir wollten eigentlich nur wissen, was wir auf keinen Fall tun sollten und ob wir überhaupt noch einen Meter weiterfahren dürfen.

Er meinte, wir sollten möglichst schnell eine Werkstatt aufsuchen, vorsichtig weiterfahren sei aber vermutlich okay.

Google Maps zeigte uns eine FIAT Professional Werkstatt in Agadir – nur etwa eine Stunde entfernt. Also wurden die Pläne spontan geändert und wir fuhren nach Agadir.

Dort angekommen machten sich die Mechaniker sofort daran, die OBD-Daten auszulesen. Nach ungefähr 20 Minuten kam die Entwarnung: Kein ernsthaftes Problem sichtbar, vermutlich nur ein temporärer Fehler. Die Meldungen wurden gelöscht und wir konnten weiterfahren.

Komplett erleichtert gingen wir erstmal auf eine riesige Shoppingtour, nachdem wir nur wenige hundert Meter entfernt einen Carrefour entdeckt hatten.

Wenn schon, denn schon.

Voll beladen kehrten wir zu unserem ursprünglichen Plan zurück und machten uns auf den Weg nach Taroudant – dem eigentlichen Tagesziel.

Gerade als wir den Flughafen von Agadir bestaunten…

D I N G! 🖕🖕🖕

Wieder erschien im Display:

MOTOR KONTROLLIEREN

GETRIEBE KONTROLLIEREN

ASSISTENTSYSTEME AUSGEFALLEN

Diesmal traf es deutlich härter.

Denn jetzt war klar: Da stimmt wirklich etwas nicht.

Wir drehten sofort um und fuhren zurück zur Werkstatt – wir hatten allderings komplett vergessen, dass Ramadan war. Die Erinnerung kam ziemlich schnell in Form eines CLOSED-Schildes samt Ramadan-Öffnungszeiten.

Uns blieb also nichts anderes übrig, als direkt vor der Werkstatt zu campen. Gemeinsam mit ungefähr fünf anderen Campern, die ebenfalls sehnsüchtig auf 8 Uhr morgens warteten.

Punkt 8 Uhr marschierte ich am nächsten Morgen in die Werkstatt, erklärte, dass wir bereits gestern hier gewesen waren, erklärte, dass der Fehler zurück sei und erklärte – erneut –, dass alles direkt nach einer großen Matschpfütze begonnen hatte.

Dieser letzte Teil erschien uns wichtig. Zumindest hofften wir verzweifelt, dass es einfach nur ein kaputter Sensor, ein beschädigtes Kabel oder irgendein elektrisches Problem sein könnte.

Diesmal wurde offizieller Papierkram ausgefüllt. (Vermutlich, weil ich ungefähr 17 Mal erwähnte, dass wir noch Garantie haben.)

Dann kamen zwei Mechaniker zu Wilma und die eigentliche Show begann.

Mechaniker Nummer 1 – männlich – sprach kein Französisch. Arabisch sprach er ebenfalls nicht. Nur Berber.

Mechaniker Nummer 2 – weiblich – sprach offenbar Arabisch und Berber und wurde damit automatisch zur Übersetzerin. Da wir wiederum kein Arabisch konnten, mussten wir über eine Übersetzungsapp mit der Übersetzer-Mechanikerin kommunizieren.

Das machte die ganze Situation nicht gerade einfacher.

Die Kommunikationskette sah ungefähr so aus:

Deutsch → Übersetzungsapp → Arabisch → Übersetzer-Mechanikerin → Berber → Mechaniker

Entsprechend gingen unterwegs einige Informationen verloren.

Zwischendurch hatte Wilma wohl einen gebrochenen Ellenbogen.

Oder zu viel Zucker.

Ja, Wilma litt plötzlich unter allerlei medizinischen Problemen, die Autos normalerweise eher nicht haben.

Aber gut, wir hatten keine andere Wahl als weiterzumachen.

Nachdem die Mechaniker erneut meinten, das sei wahrscheinlich nur ein temporärer Fehler, bestand ich auf einer Probefahrt. Sie stimmten zu, allerdings kam nur der männliche Mechaniker mit.

Was die Kommunikation irgendwie noch komplizierter machte, weil er nun Arabisch interpretieren musste – eine Sprache, die er eigentlich gar nicht sprach.

Die Probefahrt dauerte ungefähr 90 Minuten und die ersten 65 Minuten lief alles problemlos. Langsam wurden wir vorsichtig optimistisch. Der Mechaniker bestätigte mehrfach: alles gut.

So Gott will – Inshallah!

Ungefähr zwei Minuten später…

D I N G! 🖕🖕🖕🖕🖕🖕🖕🖕🖕🖕🖕🖕🖕

Wieder dieselben Warnmeldungen.

MOTOR KONTROLLIEREN

GETRIEBE KONTROLLIEREN

ASSISTENTSYSTEME AUSGEFALLEN

Wir kehrten zurück zur Werkstatt. Der Mechaniker überprüfte erneut alles und versuchte zu erklären, dass er weiterhin an ein elektrisches Problem glaube.

Weitere 20 Minuten versuchten wir irgendwie herauszufinden, ob wir weiterfahren können oder besser sofort zurück nach Europa sollten.

“No problem, no problem.”

Er gab uns freundlicherweise sogar seine private Nummer und versprach, uns zu helfen – egal was passiert und egal wo wir landen würden.

Mehr war in dieser Werkstatt offenbar nicht möglich. Also beschlossen wir, erstmal zum nächsten Campingplatz zu fahren, runterzukommen und zu überlegen, wie es weitergeht.

Natürlich meldete sich unterwegs wieder das D I N G.

Mit sämtlichen Warnmeldungen.

Die Hoffnung, dass es “nur” ein elektrisches Problem sein könnte, war zwar angenehm – tief im Bauch fühlte es sich allerdings überhaupt nicht danach an.

Wir hatten den vollständigen OBD-Report mitgenommen und an unsere Werkstatt zuhause geschickt. Die erste Antwort klang bereits wenig optimistisch.

Am nächsten Tag kam eine weitere Mail.

Nach längerem Überlegen deutete für unseren Mechaniker inzwischen alles auf einen Getriebeschaden hin.

An dieser Stelle muss man erwähnen, dass Wilma ein ZF-9-Gang-Automatikgetriebe besitzt. Genau das Getriebe, das FIAT über längere Zeit massive Probleme bereitet hatte, bis schließlich ein Softwareupdate die Drehmomentkurve anpasste.

Dieses Update hatten wir allerdings erst nach etwa 12.000 km erhalten – größtenteils gefahren im ECO-Modus, der ebenfalls als möglicher Mitverursacher der Schäden galt.

Wir beschlossen weiter nach Rabat zu fahren. Dort befindet sich die größte FIAT Professional Werkstatt Marokkos. Unser Gedanke: Wenn irgendeine Werkstatt in Marokko helfen kann, dann wohl diese.

Die Fahrt nach Rabat stellte sich allerdings als extrem schwierig heraus.

Normalerweise hat Wilma keinerlei Probleme mit Bergpässen. Diesmal sah das anders aus. An Steigungen schafften wir teilweise kaum mehr als 60 km/h und zusätzlich erschien eine neue Warnung:

Getriebeöl überhitzt. (🖕)

Noch ein ziemlich eindeutiges Zeichen dafür, dass wirklich etwas nicht stimmte.

Als wir in Rabat ankamen, waren wir komplett erschöpft. Nach einer Nacht Schlaf entschieden wir schließlich, dass es wenig Sinn macht, die Werkstatt überhaupt noch auszuprobieren.

Selbst wenn sie den Fehler finden würden, hatten wir mehrfach gehört, dass Ersatzteile in Marokko oft extrem lange brauchen. Und falls es tatsächlich das Getriebe war, vermutlich noch länger.

Also beschlossen wir schweren Herzens, direkt nach Tanger Med zu fahren und die Fähre zurück nach Europa zu nehmen.

Spanische Werkstätten würden uns sicher helfen können. 🤞

Die Fähre umzubuchen ging erstaunlich unkompliziert. Innerhalb von drei Minuten hatten wir Tickets für die nächste Fähre und waren noch am selben Tag zurück in Europa.

Leider stellte sich die Gegend rund um Tarifa und Algeciras direkt als nächstes Problem heraus. Extrem hügelig und bergig – was bedeutete, dass das Getriebeöl ständig wieder zu heiß wurde.

Wir recherchierten verschiedene FIAT Professional Werkstätten, aber die Bewertungen waren katastrophal. Deutsche Kunden berichteten von Wartezeiten über Wochen oder sogar Monate – nur um am Ende trotzdem mit defekten Fahrzeugen wieder weggeschickt zu werden.

Nach einer weiteren schlaflosen Nacht beschlossen wir schließlich: Wir müssen zurück nach Deutschland. Zur Werkstatt unseres Vertrauens.

Der Plan war, langsam zurückzufahren.

Dieser Plan scheiterte allerdings ziemlich schnell, als uns klar wurde, dass wir wahrscheinlich nicht einmal Südspanien verlassen würden. Und Frankreich wirkte plötzlich unerreichbar weit weg.

Also riefen wir die Versicherung an. Die organisierte einen Abschleppwagen und brachte uns zu einer Werkstatt. Da es Sonntag war, hieß es: morgen früh wiederkommen.

Montagmorgen gingen wir also in die Werkstatt.

“Haben Sie einen Termin?”

“Nein, wir wurden hierher abgeschleppt.”

“Was ist das Problem?”

“Motor überprüfen, Getriebe überprüen, Getriebeöl zu heiß, Fahrassistenzsysteme fallen aus.”

„Können wir nicht reparieren. Das Fahrzeug passt nicht in die Werkstatt.“

🤬

Ja.

Das war eine FIAT Professional Werkstatt, die FIAT Professional Vans aufgrund ihrer Größe nicht reparieren konnte.

Fantastisch.

Warum wir genau dorthin abgeschleppt wurden, verstand niemand so richtig.

Wir riefen erneut bei der Versicherung an und erklärten alles noch einmal. Selbst die Mitarbeiterin dort war sichtlich verwirrt und meinte, das habe sie so auch noch nicht erlebt.

Normalerweise greift der Rücktransport, wenn eine Werkstatt bestätigt, dass das Fahrzeug nicht innerhalb von drei Tagen repariert werden kann. Aber da hier technisch gesehen ja nicht einmal ein Reparaturversuch stattgefunden hatte, musste das intern geklärt werden.

“Wir melden uns innerhalb von drei Stunden.”

Drei Stunden kamen und gingen.

Also riefen wir erneut an.

Diesmal musste die Mitarbeiterin am Telefon hörbar lachen.

“Bestehen Sie wirklich auf einer Reparatur in Spanien?”

Wir erklärten, dass wir verstanden hatten, dass die Entscheidung eigentlich nicht bei uns lag, wir es aber zumindest versuchen wollten.

Sie erklärte uns daraufhin, dass der lokale Partner einen Werkstatttermin gefunden habe.

140 km entfernt.

In zwei Wochen.

Ob wir das annehmen wollten?

Die Frage war offensichtlich rhetorisch, denn direkt danach sagte sie selbst:

“Der Rücktransport ist definitiv die bessere Lösung.”

Und damit war die Sache entschieden.

Wilma wurde am nächsten Tag abgeholt und wir machten uns auf den Weg nach Málaga, da es von dort fünf Tage später einen Direktflug zum nächstgelegenen Flughafen zuhause gab.

Die vier sonnigen Tage in Málaga taten uns ehrlich gesagt extrem gut.

Wilma folgte vier Wochen später.

Weitere zehn Tage später kam schließlich der Anruf der Werkstatt:

Tatsächlich ein mechanischer Getriebeschaden.

Wilma hat inzwischen ein komplett neues Getriebe.

Rückblickend waren alle Entscheidungen absolut richtig. Hätten wir versucht weiterzufahren, hätte das ziemlich böse enden können.

Eine letzte Sache noch:

In dem Moment fühlte sich das alles unglaublich stressig an. Teilweise wirklich so, als würde gerade die Welt zusammenbrechen.

Mit etwas Abstand merken wir aber: Es war letztlich nur eine kleine Bodenwelle auf unserem Weg.

Und aus Satellitenperspektive betrachtet nicht mal mehr als ein winziger Punkt in einem ganzen Leben.

Die wichtigste Erkenntnis daraus ist wahrscheinlich:

Versucht in solchen Momenten ruhig zu bleiben.

Versucht ein kleines bisschen weiter nach vorne zu denken.

Denn irgendwann merkt man: Für (fast) jedes Problem gibt es eine Lösung. Egal wie groß es in diesem Moment gerade wirkt.