
MA5: Erg Chegaga
Wie ich in unserem letzten Blog schon angedeutet habe, haben wir einen Ausflug in die “echte” Sahara gemacht – zum Erg Chegaga. Nein, das ist nicht der Name einer weiteren Star-Wars-Figur, sondern bedeutet einfach “Düne Chegaga” (eigentlich heißt Erg “Sandmeer”, aber ich hoffe, ihr verzeiht mir, wenn ich es einfach Düne nenne).
Wir haben mit unserem Gastgeber Said auf dem Campingplatz in M’hamid gesprochen und uns auf einen eintägigen Trip mit Übernachtung geeinigt – inklusive Zwischenstopp an einer Oase und anschließendem Aufenthalt im Camp. Auf die Frage “mit Kamelritt?” haben wir dankend verzichtet – seien wir ehrlich: Kein Kamel würde freiwillig deutsche Touristen wie uns durch die Gegend tragen, wenn es die Wahl hätte. Warum also zwingen?
Unser Fahrer war überpünktlich (ist er etwa Deutscher?!) und ließ gleich wissen: “kein Englisch”. Hm, okay. Dann auch noch “kein Französisch”. Na gut… das könnte kommunikativ spannend werden, wenn man mehrere Stunden zusammen im Auto sitzt. Aber wir blieben optimistisch – es gibt ja schließlich Übersetzungs-Apps, und Arabisch können die auch.
Kaum waren wir losgefahren, bestätigte sich allerdings unser leiser Verdacht: Das würde eine seeehr ruhige Fahrt werden. Schade eigentlich, denn genau von den Geschichten und Infos der Guides leben solche Ausflüge.
Statt spannender Einblicke oder lustiger Anekdoten blieb unser Fahrer still. Bis…
“YOU OK? BACK OK? ALL OK?” wurde uns plötzlich entgegengebrüllt – mit einem Gesichtsausdruck wie aus American Psycho. Beim ersten Mal hat mich das komplett kalt erwischt und ich bin leicht zusammengezuckt. Schnell bestätigten wir “all ok” (unter 100 Dezibel), um ihm zu zeigen, dass er einen fantastischen Job macht.
Nachdem das geklärt war, kümmerte er sich um die Musik, legte “Mr. Saxobeat” von Alexandra Stan auf und verkündete stolz: “SAHARA MUSIC!” – gefolgt vom gleichen American-Psycho-Lächeln: “YOU LIKE?”.
Ich – noch dabei zu verarbeiten, wie ich in einem Auto mitten in der Wüste gelandet bin und Musik höre, die mein Gehirn spontan zu “Mr. sexy beat” umgedeutet hat – bestätigte wieder schnell: “love it!” (natürlich wieder unter 100 Dezibel, im krassen Gegensatz zu unserem Guide).
Zum Glück stellte sich heraus, dass unser Fahrer doch bereit war, die ein oder andere Information herauszurücken, und wir haben uns schließlich über eine Übersetzungs-App “unterhalten”. Er hielt an ein paar interessanten Punkten an. Zum Beispiel waren wir überrascht zu sehen, dass mehrere Brunnen angelegt wurden, zusammen mit einer Art Wasserkanal, sodass Tiere leichter Zugang zu Wasser haben.
Die Oase war dann allerdings eine weitere Enttäuschung – vermutlich wegen unserer eigenen (völlig unbegründeten) Erwartungen. Bei “Oase” hatten wir sofort Bilder von üppigem Grün, vielen gesunden Palmen und dem typischen größeren Gewässer im Kopf.
Stattdessen standen wir vor einem etwa 1×1 Meter großen Tümpel, ein paar halb vertrockneten Palmen und – viel Sand. Nach unseren Maßstäben eher so… na ja.
Unser Guide machte das mit einem großartigen Mittagessen wieder wett. Das Essen war wirklich super lecker und es gab reichlich – so viel, dass es echt schwierig war, alles aufzuessen. Und das will bei uns was heißen.
Mit vollem Bauch versuchte Kathrin, das letzte Stück Brot an ein paar Esel zu verfüttern – aber die waren wenig begeistert. Vielleicht waren sie schon zu oft auf diese Masche reingefallen?
Weiter ging’s zur letzten Station: unserem Nachtcamp am Fuß des Erg Chegaga – und WOW, was für eine Düne (-nlandschaft).
Das Camp war wirklich schön aufgebaut und unser “Zelt” absolut okay für eine Nacht. Wir waren ganz froh, dass wir nicht duschen mussten – der Wasserdruck war so gering, dass ich vermutlich schneller ein Glas vollgeheult hätte, als auf den Wasserhahn zu warten. Aber wie gesagt: keine Dusche nötig, also egal.
Es waren etwa 16 andere Touristen da, die meisten Teil einer norwegischen Reisegruppe. Eine angenehme Größe.
Wir sind sofort los, hoch in die Dünen, und haben einfach die Landschaft auf uns wirken lassen. Es fühlte sich komplett surreal an – und war jeden Cent wert.
Nach dem ersten Spaziergang ging es zurück ins Camp zum Abendessen. Wir hatten nicht mit zwei vollständigen Mahlzeiten gerechnet und taten uns diesmal wirklich schwer, alles aufzuessen. Es gab Tajine, Salat, Brot und… Spaghetti mit Tomatensauce?! Wir vermuten, das war der Fleischersatz, da nur zwei Tische dieses ganz besondere “traditionell marokkanische” Gericht bekamen.
Um das Ganze noch zu toppen, gab es natürlich auch eine Katze (in Marokko gilt ja: Es gibt immer eine Katze!), die bettelnd ihre Runden drehte. Kathrin bot ihr etwas Pasta an – die war in Sekunden verschwunden. Muss wohl eine italienische Katze gewesen sein.
Nach dem Essen wurde ein Lagerfeuer mit Musik angekündigt – wir hatten allerdings andere Pläne. Ich wollte mich an Intervallfotografie für schöne Sternenspuren versuchen (Spoiler: hat nicht geklappt), und wir wollten lieber alleine die Ruhe und Landschaft genießen, statt vor einem Feuer zu sitzen. Dafür waren wir nicht in die Wüste gekommen.
Ich baute also alles auf, und die Kamera sagte uns: etwa zwei Stunden. Kathrin wurde nach der Hälfte etwas kalt und ging zurück ins Camp, während ich bei der Kamera blieb und noch eine Weile den unglaublichen Sternenhimmel bestaunte.
Kathrin hatte währenddessen ein sehr interessantes Gespräch mit einem der Gastgeber, einem Nomaden, der mehrere Sprachen spricht und mit einem breiten Lächeln erzählte, wie sehr er sein Leben liebt: unter den Sternen schlafen, Menschen aus aller Welt kennenlernen und ständig neue Sprachen und Kulturen entdecken. Wieder einmal haben wir erlebt, wie offen und herzlich die Menschen in Marokko sind. Wirklich beeindruckend.
Etwa eine Stunde später kam ich “meine” persönliche Düne hinunter zurück ins Camp – und fand Kathrin im “Badezimmer”. Sie versuchte verzweifelt dem Wasserhahn ein paar Tropfen Wasser zum Gesichtwaschen zu entlocken. Erfolglos. Am Ende mussten wir auf Flaschenwasser zurückgreifen.
Die Nacht war okay – nicht, weil irgendetwas schlecht gewesen wäre, sondern einfach, weil die erste Nacht in einer neuen Umgebung immer etwas ungewohnt ist. Fremdes Bett, das “Zelt”, Sandboden mitten in der Sahara… daran muss man sich erst gewöhnen.
Wir standen früh auf, machten uns fertig und gingen zum Frühstück. Kaum waren wir fertig, kam auch schon unser Fahrer, um uns zurück zu unserer geliebten Wilma zu bringen.
Ein paar Minuten nach der Abfahrt – ich hatte diesen Teil schon fast vergessen – hallte wieder durch das Auto: “YOU OK? BACK OK? ALL OK?” Ich bestätigte schnell, dass alles gut ist. Die Rückfahrt dauerte etwa zwei Stunden und dieses Ritual wiederholte sich ungefähr alle 20 Minuten.
Was für ein Abenteuer! Wir hätten es um nichts in der Welt verpassen wollen – aber wir sind uns einig: Es wäre schöner gewesen, wenn wir eine gemeinsame Sprache mit dem Guide gehabt hätten.
