
Wir isolieren unsere Wasserleitungen nachträglich!
Einleitung
Nachdem wir in Norwegen festgestellt haben, wo die Schwachstellen von unserem Pössl Summit Prime 640 sind - die Wasserleitungen, die teilweise direkt an der Metall-Außenhaut vom FIAT Ducato verlaufen – haben wir uns entschieden, diese kurzerhand selber zu beheben. Mit der Hilfe eines Freundes und der Unterstützung meines Arbeitgebers in Form einer Halle, in der wir die Arbeiten durchführen konnten haben wir in 2 Tagen alle kritischen Wasserleitungen nachträglich isoliert.
Hintergrund
Wir wollen mit unserem Camper auch im Winter unterwegs sein, da wir Kälte und Schnee einfach toll finden. Leider haben wir jedoch über das Pössl-Forum und durch Nachforschen in unserem Wagen festgestellt, dass Pössl einige Abkürzungen bei der Wasser-Infrastruktur nimmt, die definitiv zu eingefrorenen Leitungen bei Temperaturen unter 0°C führen würden:
Hinter der Küchenzeile verlaufen die Wasserleitungen direkt an der Außenhaut des Basis-Fahrzeugs und sind komplett unisoliert.
Das gleiche Bild zeigt sich teilweise auf der Fahrerseite im Bereich des Toiletten-Kassetten-Fachs.
Somit war für uns klar, dass wir den Winter nur mit leerem Tank bereisen können. In manchen Ländern wie Norwegen ist das kein Problem, hier gibt es saubere, warme und kostengünstige Duschen an fast jeder Straßen-Ecke. In anderen Ländern ist das leider nicht der Fall.
Außerdem möchte man ja nicht das Duschen so umständlich einplanen müssen...
Die Bestandsaufnahme
Ausgerüstet mit einer Hohlraumkamera/Stetoskopkamera haben wir die kritischen Stellen ausgemacht.
Was dabei zum Vorschein kam, war teilweise abenteuerlich.
Wir haben bei unserem Pössl Summit Prime 640 das "Winterpaket" mitbestellt. Das besteht aus einer Isolierungs-Matte für die Hecktüren, eine Heizung für den Abwassertank (jedoch keine ohne diesen zu isolieren!!) und einem zusätzlichen Warmluftrohr zur Küchenzeile, dass dafür sorgen soll, dass die Leitungen in der Küche nicht einfrieren.
Wie man auf den Bildern schön erkennen kann, ist dieses Paket jedoch "auf gut Deutsch gesagt" Abzocke.
Wir hoffen wirklich, dass in unserem Fall der Monteur einfach keine Lust hatte einen ordentlichen Job zu machen, denn wenn die Installation "nach Plan" so erfolgt ist, dann kann man wirklich nur von Täuschung/Betrug sprechen.
Das Warmluftrohr muss unter der Schacht-Abdeckung die Seite der Rohre wechseln, weil die Aussparungen in den Brettern links und rechts nicht parallel sind. Da die Abdeckung des Schachts aber recht niedrig ist, wurde das Rohr einfach plattgetreten.
Hinter der Küche kommt es dann noch schlimmer, das Rohr ist komplett zugequetscht. Es kann überhaupt gar keine Luft transportiert werden.
Wir waren ehrlich gesagt total überrascht, als wir das Rohr mit der Kamera gesehen haben. Bis zu dem Zeitpunkt war ich davon ausgegangen, dass das Rohr gar nicht mehr Teil des Winterpakets ist, da es in der Küchenzeile immer eiskalt war.
So erklärt sich das natürlich.
Darüber hinaus endete das Rohr hinter der Holzverkleidung zwischen Küche und Außenwand des Fahrzeugs. Was damit bezweckt werden soll, erschließt sich uns bis heute nicht, denn dort verfliegt jede Wärme sofort und erreicht die Leitungen in keinster Weise.
Die Planung
Glücklicherweise arbeite ich für einen Digitalisierungs-Dienstleister der auch die IT-Administration einer großen Gebäudetechnik-Firma betreut und die Büros im gleichen Gebäude hat.
Somit waren viele Experten mit gutem Rat schnell gefunden.
Wir haben diverse Lösungen in Betracht gezogen – von "alles neu" bis hin zu "lass es doch drauf ankommen"....
... die Optionen:
- Wasserkreislauf aufbauen, denn Wasser, das in Bewegung ist friert nicht bzw. nicht so schnell. Die Idee: eine Umlauf-Pumpe einbauen, die wenig Strom verbraucht und das Wasser konstant in Bewegung hält. Leider nicht praktikabel, da es eine komplett neue Infrastruktur bedeutet hätte.
- Eine Rohrbegleitheizung (Heiz-Kabel) installieren. Das ist im wesentlichen einfach nur ein Kabel, dass einen Widerstand darstellt und sich somit aufheizt. Das Kabel wird um die Leitungen gewickelt und hält diese gemütlich warm. Das Problem: der Stromverbrauch. Auf 12V Basis haben wir nur wenig gefunden und die Optionen fingen bei 15W/laufendem Meter an. Bei Leitungslängen von ~16m wäre die Wärme selbst bei unserer großen Batterie schnell zu Ende. Natürlich müsste man nicht alle Stellen heizen, aber trotzdem blieb der Verbrauch ein Problem.
Außerdem schien 230V die bessere Alternative, allerdings haben wir keinen Wechselrichter und wollen auch nicht unbedingt einen nachrüsten. - Armaflex! Alle Leitungen in dickes Armaflex einpacken. Dies schien die simpelste Option, die trotzdem einen großen Effekt hat. Gepaart mit einer anderen Leitungs-Führung um die Außenwand zu meiden.
- Alle Schlauch-Leitungen durch professionellere, vorisolierte Leitungen austauschen. Durchaus verlockend, aber der Aufwand schien höher als #3, da wir an noch mehr Stellen heran müssten und noch mehr Möbel abbauen müssten, für einen vollständigen Tausch.
- Alles so lassen, wie es ist und so weiter reisen, wie bisher.
Wir haben uns für #3 entschieden und das Material besorgt.
Die Umsetzung
Zunächst haben wir die Möbel auf der rechten Seite abgebaut. Die Verkleidung vom Wassertank und den Schrank neben der Küche.
Nach kurzer Beratung haben wir uns entschieden, die alten Leitungen komplett zu entfernen und neu zu verlegen. Statt kompliziert hinter der Küche entlang einfach direkt am ersten Küchenschrank hoch und ganz oben durch die Rückwand direkt zum Wasserhahn.
Das spart nicht nur weg sondern erlaubt es uns auch komplett von der Außenhaut des Fahrzeugs wegzubleiben.
Das Warmluftrohr haben wir umgelegt, so dass es jetzt warme Luft unter den Wassertank pustet. Das Rohr konnte mit viel Mühe gerettet werden, so dass wir kein neues kaufen mussten.
Außerdem haben wir die Aussparungen für den Schacht erweitert, so dass das Warmluftrohr nun sauber parallel der Leitungen verlaufen kann, ohne darüber wechseln zu müssen. Somit konnte es in seiner "normalen Form" in die Abdeckungen passen, ohne plattgetreten werden zu müssen.
Die Fahrerseite war fast noch einfacher. Wir mussten keine Möbel ausbauen, da wir vom Toiletten-Kasseten-Fach und von der Sitzbank aus gut an alle Leitungen herangekommen sind.
Die einzige Herausforderung war die Schlauchschellen zu lösen, aber auch das geht mit Geduld sehr gut. Der Trick, den wir für uns entdeckt haben: Am Boiler anfangen, alle Leitungen lösen und zum Toiletten-Kassetten-Fach durchziehen. Dann kommt man sehr bequem an alles heran.
Fazit
Insgesamt war die Nachrüstung wirklich einfach, man kommt gut an alle Stellen heran und es ist absolut lohnenswert.
Was wir jedoch wirklich nicht verstehen, ist wie Pössl so vorgehen kann und das Fahrzeug so ausliefert. Wenn man diese Schritte ab Werk direkt machen würde, bedeutet es vermutlich nur wenig Mehr-Aufwand, aber die Kunden wären umso zufriedener.
Schade Pössl - am falschen Ende gespart.
DANKE 🤩
Ein unglaublich großes Dankeschön geht an Leon von der L2 Print Factory, der uns beim Umbau von Anfang an geholfen hat und All-In gegangen ist. Wirklich toll, es hat so viel Spaß gemacht, das Projekt mit dir umzusetzen.
Schaut ruhig mal bei Lea & Leon's Shop vorbei, da gibt es viele coole Dinge zu kaufen 👍
